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Hautkrebs-Vorstufen effektiv behandeln

Heller Hautkrebs ist zwar weniger gefürchtet als der schwarze, kommt aber häufiger vor. Moderne Therapieformen behandeln bereits die Vorstufe – die aktinische Keratose
von Ute Essig, 01.09.2017

Photodynamische Therapie: Auftragen einer Creme, die für UV-Licht sensibilisiert

W&B/Max Kratzer

Als Bauingenieur hielt sich Manfred S. immer viel im Freien auf. Mit seiner hellen Haut fing sich der Regensburger auf Baustellen so manchen Sonnenbrand ein. "Ich habe die Sonne nie vertragen, bin immer rot geworden im Gesicht", sagt der 75-jährige Rentner heute.

Die jahrzehntelange regelmäßige UV-Bestrahlung hat auf seiner Gesichtshaut und zwischen dem schütter gewordenen weißblonden Haar ihre Spuren hinterlassen. Überall zeigen sich krustig-schorfige Flecken. Was aussieht wie schlecht heilende Wunden, heißt "aktinische Keratose" und ist eine Vorstufe von Hautkrebs.

Keratosen sprießen wie Pilze

An der Ohrmuschel, wo ein besonders dickes Exemplar dieser Keratosen saß, fehlt S. ein kleines Stück. "Hier hat mich nicht etwa ein Boxchampion gebissen, da bin ich operiert worden." Auch drei Eingriffe am Hinterkopf hat er schon hinter sich. Wo jetzt kleine Narben zu sehen sind, hatten sich Hauttumore bereits bis zu fünf Millimeter tief ins Gewebe gebohrt.

Seit Manfred S. vor sechs Jahren nach einem plötzlichen Organversagen eine Niere transplantiert wurde, treten die Hautveränderungen rasend schnell und in großer Zahl auf. Wie Pilze, die im Herbst aus dem Boden schießen. Die Medikamente, die das Immunsystem des Rentners unterdrücken, damit das fremde Organ nicht abgestoßen wird, begünstigen diese Entwicklung.

Im weiteren Verlauf drohen Metastasen

"Etwa zehn Prozent der aktinischen Keratosen gehen über in ein Platten­­epithelkarzinom. Das ist ein weißer Hautkrebs, der auch Metastasen bilden kann", sagt Professorin Sigrid Karrer, Dermatologin am Uniklinikum Regensburg. Besonders hoch ist die Rate bei Patienten, deren Immunsystem unterdrückt wird. Auch S. hatte bereits einen solchen Tumor. Und außerdem ein Basalzellkarzinom, das zwar das Hautgewebe in der Tiefe schädigt, aber in der Regel nicht in andere Or­gane streut. Dass Hautveränderungen frühzeitig entfernt werden, ist bei dieser Vorgeschichte besonders wichtig.

Manfred S. ist nicht wehleidig. Geduldig und mit großer Gelassenheit lässt er über sich ergehen, dass Ärztin Karrer mit einer scharfen Klinge neu aufgetretene Keratosen an seinem Hinterhaupt abschabt und ihren Patienten damit auf eine sogenannte photo­dynamische Therapie mit Tageslicht vorbereitet.

Photodynamische Therapie im Test

Weil S. an Gesicht und Kopf zahlreiche Keratosen aufweist, hat er sich entschieden, im Rahmen einer Studie eine für großflächig veränderte Hautbereiche besonders geeignete Behandlung zu testen. Die Studienleiterin Sigrid Karrer will untersuchen, ob die seit 2015 zu­gelassene photodynamische Therapie mit Tageslicht bei Patienten mit mehr als fünf aktinischen Keratosen im Kopf- und Gesichtsbereich einen vorbeugenden Effekt hat. Also das Risiko für Hauttumore senkt.

An Regentagen keine Behandlung möglich

Die Therapie erreicht bei sogenannten mehrfachen dünnschichtigen Keratosen Abheilungsraten von knapp 80 Prozent, wie mehrere Studien zeigen. "Der Vorteil der Methode liegt darin, dass sie die gleiche Wirkung erzielt wie die photodynamische Therapie mit Rotlicht, aber mit weniger Schmerzen und Nebenwirkungen einhergeht", sagt Dr. Klaus Strömer, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Derma-
tologen. Die Behandlung kann aber nur an Tagen ohne Regen stattfinden, weil sie das natürliche Sonnenlicht nutzt. In Mitteleuropa ist sie von März bis Oktober bei Temperaturen über zehn Grad möglich.

Nachdem Sigrid Karrer die Keratosen abgeschabt hat, cremt sie S.s Gesicht und Hinterkopf mit einer Lotion mit ausschließlich chemischen UV-Filtern ein, physikalische Filter würden das für die Behandlung nötige Licht reflektieren. Anschließend trägt die Ärztin auf die rötlich schorfigen Areale noch eine lichtsensibilisierende Salbe auf, dann darf der Patient ins Freie.

Veränderte Zellen werden angreifbar gemacht

Manfred S. lässt sich auf einer Parkbank im Klinikgarten nieder und faltet seine Zeitung auf. Während er liest, reichert sich das in der Wirkstoffcreme enthaltene Methylaminolevulinat in den entarteten Hautzellen an und lässt diese lichtempfindlich werden. Das auftreffende Tageslicht, aus dem die UV-Anteile herausgefiltert sind, tötet Zellen ab.

Der Rentner verträgt die Therapie gut. Schmerzen hat er nicht, obwohl sein Gesicht wie bei einem Sonnenbrand leicht gerötet ist. Die konventionelle photo­dynamische Therapie mit Rotlicht hat er ebenfalls ausprobiert. "Das war ein Gefühl, als ob man mit dem Gesicht auf der eingeschalteten Herdplatte liegt. Auf höchster Stufe."

Möglichkeiten der Kostenerstattung

Im Rahmen der Studie wird S. nun dreimal im Jahr in der Klinik mit Tageslicht behandelt. Die Kosten trägt seine private Krankenkasse. Für gesetzlich Versicherte steht seit Kurzem ein erstattungsfähiges Produkt für die PDT zur Verfügung, das aber nur für die Selbstanwendung zugelassen ist.

Gute Ergebnisse bei der Behandlung von großflächigeren Keratosen und oberflächlichen Hauttumoren erzielen Ärzte auch mit Salben oder Gelen, die den Wirkstoff Diclofenac oder den Immunmodulator Imiquimod enthalten. Zudem kommt eine Substanz aus der Gartenwolfsmilch zum Einsatz. Die Therapie mit diesen Präparaten ist allerdings meist aufwendiger, weil sie über einen Zeitraum von mehreren Monaten erfolgen muss. Kleinere Einzelkarzinome werden in der Regel operativ entfernt oder vereist.

Hautkrebs vorbeugen: Tipps

Am besten aber lässt man es gar nicht so weit kommen und beugt Hautkrebs vor. Dermatologen raten, die pralle Sonne zwischen 11 und 15 Uhr zu meiden, im Freien möglichst eine Kopfbedeckung zu tragen und Textilien überzuziehen. Auch Sonnenschutzmittel mit UV-A- und UV-B-Filter helfen. "Das Präparat sollte Lichtschutzfaktor 50 haben und dick genug aufgetragen werden", rät Strömer.

Für Patienten mit aktinischen Keratosen gibt es spezielle Produkte in der Apotheke. Manfred S. hat heute großen Respekt vor der Sonne. Ohne Hut und Sonnenbrille geht er – außer während der Therapie – nicht mehr nach draußen.  



Bildnachweis: W&B/Max Kratzer

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