Von Passivrauchen spricht man, wenn Tabakrauch sich in der Umgebungsluft verteilt und dort von einem Nichtraucher eingeatmet wird. Millionen Menschen in Deutschland rauchen auf diese Weise unfreiwillig mit – zu Hause, in der Freizeit und inzwischen glücklicherweise nur noch selten am Arbeitsplatz oder in Gaststätten. Der Tabakrauch setzt sich zu 85 Prozent aus dem Nebenstromrauch zusammen, der von der Glut an der Zigarettenspitze ausströmt. Die übrigen 15 Prozent stammen aus dem Hauptstromrauch, der entsteht, wenn der Raucher an der Zigarette zieht.
Tabakrauch ist ein Gemisch aus vielen verschiedenen Teilchen und Substanzen. Über 4800 Inhaltsstoffe sind bislang bekannt. Von diesen gelten etwa 250 als giftig oder krebserregend. Bestandteile von Zigarettenrauch sind zum Beispiel Benzol, Nikotin, Kohlenmonoxid, Ammoniak oder Blausäure. Zum Teil sind giftige Stoffe im Nebenstromrauch in höherer Konzentration vorhanden als im Hauptstrom, da wegen der niedrigeren Temperatur nur ein geringerer Teil von ihnen verbrannt wird.
Ein gängiges Vorurteil geht so: Da sich Zigarettenrauch in der näheren Umgebung verteilt, nimmt ein Passivraucher nur wenige schädliche Inhaltsstoffe auf. Deshalb besteht auch kaum Gefahr für seine Gesundheit. Doch die im Rauch enthaltenen krebserregenden Stoffe können bereits in geringen Mengen gefährlich werden. Die Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft sieht die Partikel und Gase als so gesundheitsgefährdend an, dass sie keine Untergrenzen festgelegt hat, die noch als akzeptabel gelten.
Passivrauchen kann die Schleimhäute und Atemwege reizen. Das kann zum Beispiel zu Husten, brennenden Augen, Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen führen. „Asthma-, Allergie- und Herzpatienten reagieren besonders sensibel auch auf kurzfristige Belastungen“, sagt Dr. Martina Pötschke-Langer. Sie leitet am Deutschen Krebsforschungszentrum die Stabsstelle Krebsprävention und das WHO-Kontrollzentrum für Tabakkontrolle.
Passivrauchen kann die Blutgefäße schädigen und Durchblutungsstörungen begünstigen. Passivrauchen erhöht das Risiko für chronische Erkrankungen der Atemwege. Die Symptome eines Asthma können sich durch Passivrauchen verschlimmern. Rauchen und Passivrauchen erhöhen das Risiko für Lungenkrebs.
Besonders gefährdet sind Kinder. Greift die Mutter während der Schwangerschaft zur Zigarette, besteht eine erhöhte Gefahr für Fehlgeburten oder Fehlbildungen am Kind. Auch nach der Geburt ist ein rauchfreies Umfeld wichtig. Kleinkinder, deren Eltern rauchen, erleiden eher einen plötzlichen Kindstod, leider eher unter Asthma, sind anfälliger für untere Atemwegserkrankungen und bekommen häufiger Mittelohrentzündungen. Außerdem beginnen Kinder aus Raucherfamilien mit größerer Wahrscheinlichkeit später ebenfalls zu rauchen.
Beim Rauchen einer E-Zigarette entstehen Aerosole. Deren chemische Zusammensetzung ist noch nicht umfassend erforscht. Deshalb gibt es auch noch keine verlässlichen Daten dazu, inwiefern diese Aerosole ein Gesundheitsrisiko für Passivraucher darstellen.
Viele Staaten haben in den letzten Jahren umfassende Nichtraucherschutzgesetze erlassen. Rauchverbote in Gaststätten sollen die nichtrauchenden Gäste und das Personal schützen. Letzteres ist dem Tabakrauch besonders ausgesetzt. Mitarbeiter in Gaststätten, in denen geraucht wird, leiden häufiger als andere Arbeitnehmer unter Atembeschwerden. Internationale Studien belegen, dass Atembeschwerden bei Beschäftigten in der Gastronomie sich innerhalb weniger Monate deutlich besserten, nachdem ein Rauchverbot eingeführt worden war. Welchen Effekt die Verbote auf das Entstehen chronischer Krankheiten haben, ist bislang nicht erforscht. „Dafür ist es einfach noch zu früh“, so Pötschke-Langer. Befürchtungen der Wirte über Umsatzeinbußen haben sich in Studien nicht bestätigt.
Stephan Soutschek / www.apotheken-umschau.de;
17.02.2012
Bildnachweis: iStock/Rapid Eye
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