banner.jpg
  • Apotheker Hans Georg Lingscheid e.Kfm.
  • Annaberger Str. 102
  • 53175 Bonn

Schlechtere Augen durch die Brille?

Ob die Sehkraft durch eine Brille wirklich nachlässt, Gläser aus dem Supermarkt etwas taugen und die Lesebrille vom Ehemann erlaubt ist: Augenarzt Georg Eckert klärt auf
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 19.09.2017

Sieht fesch aus und verschafft Durchblick: eine Brille

Ojo Images/RYF

Manch einer verschmäht die Brille, weil er glaubt, sie steht ihm nicht. Andere befürchten, die Gläser könnten ihren Augen schaden. Dr. Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte beantwortet unsere Fragen.

Herr Eckert, verschlechtert eine Brille die Sehkraft?

Nein! Eine Brille hat keinerlei Einfluss darauf, wie sich die Sehfähigkeit eines Menschen verändert. Weder werden die Augen dadurch schlechter noch besser. Es ist auch gleich, welche Art von Fehlsichtigkeit vorliegt. Einzige Ausnahme: Bei Kindern, die zum Beispiel kurz- oder weitsichtig sind, bewirkt eine Brille, dass sich die Sehleistung voll ausbildet. Deshalb müssen Kinder die Sehhilfe auch auf jeden Fall tragen.

Unser Experte: Augenarzt Dr. Georg Eckert aus Senden

W&B/Privat

Weshalb benötigen Menschen dann, wenn sie älter werden, oft zunehmend stärkere Gläser?

Weil die Augenlinse im Laufe des Lebens immer unelastischer wird.

Was bedeutet das?

Möchte jemand die Zeitung lesen, stellen seine Augen auf den Nahbereich scharf. Dafür muss sich die Linse wölben. Solange sie flexibel ist, stellt dies auch kein Problem dar. Je älter ein Mensch wird, desto starrer wird jedoch die Linse. Das Wölben fällt ihr schwer, die Buchstaben in der Zeitung verschwimmen. Es kommt zur Alterssichtigkeit. Je unflexibler die Linse wird, desto schwerer liest sich ein Text und desto stärker muss dementsprechend die Lesebrille werden.

Trifft dies immer zu?

Nun, dass die Linse weniger elastisch wird, ist ein ganz natürlicher Alterungsprozess, den jeder Mensch durchmacht. Trotzdem benötigt nicht jeder alle paar Jahre eine stärkere Nahbrille. Ist ein Mann beispielsweise kurzsichtig, sieht er in der Ferne schlecht, kann aber ohne Brille ein Buch lesen. Er kann oft sogar bis ins hohe Alter ohne Probleme in einem Magazin schmökern. Denn die Alterssichtigkeit wird quasi durch seine Kurzsichtigkeit ausgeglichen.

Schadet es den Augen, wenn man die falsche Brille trägt?

Es schadet vielleicht nicht unbedingt den Augen. Trägt jemand aber eine Brille, die seine Fehlsichtigkeit nicht vollständig ausgleicht, kann er unter anderem Kopfschmerzen bekommen. Manchmal berichten dies Patienten auch, wenn sie eine Gleitsichtbrille neu erhalten. Hier ist die Brille jedoch nicht "falsch" angepasst. Vielmehr muss sich der Träger erst an das Prinzip der Sehhilfe gewöhnen. Denn die Bereiche für Ferne und Nähe fallen bei diesen Brillen vergleichsweise klein aus, und das kann beim Sehen irritieren.

Was passiert, wenn die Frau die Brille ihres Ehemanns aufsetzt?

Das ist nicht weiter dramatisch. Sie sieht höchstens schlecht damit. Auf Dauer empfiehlt sich ein Brillentausch allerdings nicht, da die Gläser auf die Augen des eigentlichen Trägers angepasst sind.

Was halten Sie von Fertigbrillen, die es im Supermarkt oder an der Tankstelle gibt?

Sie sind nicht so schlecht wie ihr Ruf. Man kann sie durchaus vorübergehend benutzen. Etwa im Urlaub, wenn man die "richtige" Brille  daheim vergessen hat. Gewisse Einschränkungen gibt es allerdings schon. Eine Fertigbrille wird nicht genau angepasst. Sie setzt voraus, dass beide Augen die gleiche Sehstärke aufweisen, was jedoch meistens nicht der Fall ist. Hinzu kommt, dass ein Augenarzt bestimmte Augenkrankheiten ausschließen muss, wenn jemand plötzlich das Gefühl hat, er sieht schlechter. Fazit: Ich würde nicht ohne Weiteres eine Billigbrille im Supermarkt erwerben, sondern mich von einem Fachmann dazu beraten lassen.



Bildnachweis: W&B/Privat, Ojo Images/RYF

Lesen Sie auch:

Mann blickt aus dem Fenster

Augen: So bleibt die Sehkraft erhalten »

Jeder Mensch hat nur zwei Augen. Deswegen sollten wir auf sie aufpassen. Die gute Nachricht: Wir können im Alltag selbst viel dazu beitragen, das wichtige Sinnesorgan zu schützen »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Krankheits-Ratgeber zum Thema

Anatomie des Auges Illustration

Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck (Hypertensive Retinopathie): Überblick

Die hypertensive Retinopathie ist eine Erkrankung der Netzhaut (Retina) bei chronischem Bluthochdruck oder akut zu hohem Blutdruck. Mehr zu Ursachen, Diagnose, Therapie »

Spezials zum Thema

Frau mit blauen Augen

Augen – stets gute Sicht

Das Sehvermögen ist wohl unser wichtigster Sinn. Doch es lässt im Alter oft nach. Ein Überblick über verschiedene Augenkrankheiten »

Haben Sie Schlafprobleme?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages